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Kumulative Emissionsintensitäten zur Bewertung der Klimaschutz-Performance längs Lieferketten

Projektleiter

Prof. Dr. Mario Schmidt

Projektdauer

01.01.2007 - 31.01.2009

Mittelgeber

BMBF - Forschung für den Klimaschutz und Schutz vor Klimawirkungen

Projektbeschreibung

Hintergrund

Die gesellschaftliche und ökologische Verantwortung von Unternehmen endet nicht am eigenen Werkstor, sondern geht darüber hinaus. In Zukunft werden sich Unternehmen im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung verstärkt mit Themen beschäftigen müssen, die die Produktionsweise ihrer Zuliefer- und Entsorgungsketten betreffen. In diesem Sinne rückt die gesamte Supply Chain eines Unternehmens in den Fokus der Klimaschutzbetrachtung. Die Frage nach der Klimaeffizienz eines Unternehmens stellt sich in Zeiten einer durch Outsourcing-Prozesse immer geringer werdenden Fertigungstiefe und internationaler Arbeitsteilung in einem veränderten Kontext. Durch die Auslagerung von Klima belastenden Prozessen, zum Teil in Länder mit niedrigeren Umweltstandards, können Unternehmen eine positive Klimabilanz aufweisen, selbst wenn die Klimabilanzen der von ihnen produzierten Produkte schlecht ausfallen.

Ansatz

Um dieser Problematik Rechnung zu tragen, soll im vom BMBF geförderten Forschungsprojekt EINBLIK eine Kennzahl entwickelt und zur Praxisreife gebracht werden, die die Intensitäten von Treibhausgasemissionen über alle Firmen entlang einer Lieferkette summiert. Die im Projekt EINBLIK eingesetzte Kennzahl erfasst in Abgrenzung zur Methode des Life Cycle Assessments nicht nur die Klimawirksamkeit von Produkten. EINBLIK hat vielmehr zum Ziel die Klimawirksamkeit eines ganzen Unternehmens bzw. verschiedener Unternehmensstandorte in einer Kennzahl darzustellen. Diese Kennzahl dient als Indikator der eigenen Klimaschutz-Performance. In den Indikator fließen die Kennzahlen der Zuliefer- und Entsorgungsbetriebe mit ein, so dass kumulative Emissionsintensitäten gebildet werden. Im Vergleich mit herkömmlichen Konzepten zur Messung der Klimaschutz-Performance wird bei der Berechnung der kumulierten Emissionsintensitäten ein anderer Ansatz verwendet. Zur Berechnung der kumulierten Emissionsintensität eines Unternehmens werden seine direkten Emissionen und die mit dem Wert der Vorleistungen multiplizierten Emissionsintensitäten sämtlicher Vorleister ins Verhältnis zu seinem Umsatz gesetzt. Es ergibt sich ein rekursives System an Kennzahlen, bei dem von Lieferant zu Lieferant lediglich der bisher aufgelaufene Klimarucksack weitergereicht wird. Jedes Unternehmen muss nur eine Lieferantenstufe zurück betrachten. Dies ist ein großer Vorteil bei der praktischen Umsetzung, weil die notwendigen Daten zur Berechnung der eigenen kumulierten Emissionsintensität im Unternehmen vorliegen.

Schritte

Das Projekt umfasst folgende Arbeitsschritte: Im ersten Schritt wird die methodische Konzeption des Verfahrens festgelegt. Dazu werden das bilanztechnische Vorgehen und der grundsätzliche Datenbedarf geklärt. Es werden Abgrenzungsregeln und Ansätze zum internationalen Einsatz bestimmt. Der zweite Schritt umfasst die Einbindung des Konzeptes in die inner- und überbetriebliche Entscheidungsunterstützung. In diesem Arbeitsschritt erfolgt vor der Integration in den betrieblichen Entscheidungsprozess die Analyse und Erweiterung der Entscheidungsmodelle. Im dritten Schritt erfolgt die Praxisanwendung bei den Projektpartnern aus der Wirtschaft. Bei der Volkswagen AG werden mittels kumulierten Emissionsintensitäten verschiedene Standorte des Unternehmens hinsichtlich ihrer Klimaeffizienz verglichen, während in Zusammenarbeit mit der Systain Consulting GmbH die kumulierten Emissionsintensitäten exemplarisch entlang einer langen Wertschöpfungskette berechnet werden.

Ziele

Das Ziel des Forschungsvorhabens ist die Weiterentwicklung des Ansatzes der kumulierten Emissionsintensitäten, so dass dieses Konzept in allen Unternehmen im globalen Produktionssystem angewendet werden kann. Das Kennzahlensystem soll unabhängig von Branche und Größe der Unternehmen anwendbar sein. Des Weiteren soll die Übertragbarkeit des Ansatzes auf andere Schadstoffe und die Einbindung von Nachketten dargestellt werden. Durch den Ansatz der kumulierten Emissionsintensitäten ist ein Unternehmen bestrebt seine ganze Produktpalette hinsichtlich ihrer Klimawirkungen zu optimieren. Somit genügt die Methode dem Anspruch eine umfassende Unternehmensverantwortung widerzuspiegeln und zu unterstützen. Weiterhin soll ein solches Kennzahlensystem dazu dienen, Lieferantenbeziehungen anhand der klimarelevanten Emissionsrucksäcke zu bewerten und damit ein integriertes Supply Chain Management der Klimawirkungen von Unternehmen zu ermöglichen. Dies führt zur Reduktion von CO2-Emissionen, da jedes Unternehmen bestrebt sein wird eine niedrige Kennzahl zu erhalten und dieses Bestreben an seine Zulieferer und Entsorger weiterreicht. Reduktionen bei den CO2-Emissionen können außerdem erreicht werden, indem man Zielwerte für die Kennzahl vorgibt oder ein Benchmarking-System obligatorisch einführt. Darüber hinaus liefert die Kennzahl ein bisher nicht vorhandenes Entscheidungskriterium, weil es Umweltdaten mit ökonomischen Daten eines Unternehmens verbindet. Die Kennzahl ist für die Entscheider in den Unternehmen besonders zugänglich, da sie sich auf eine konkrete betriebswirtschaftliche und nicht auf eine für den Ökonomen abstrakte naturwissenschaftliche Größe bezieht.

Mitarbeiter

Dipl.- Volksw. Christian Haubach; Dipl.-Bw. (FH) Sabine Walter

Projektpartner

Institut für Angewandte Forschung, Professur für ökologische Unternehmensführung, Hochschule Pforzheim, E-Mail: mario.schmidt(at)hs-pforzheim.de

Institut für Wirtschaftswissenschaften, Abteilung Betriebswirtschaftslehre, insb. Produktionswirtschaft, TU Braunschweig, E-Mail: g.walther(at)tu-bs.de

Systain Consulting GmbH, E-Mail: arretz(at)systain.com

Volkswagen AG, Abteilung K-GEFUW, E-Mail: michael.mrowietz(at)volkswagen.de

 

Veröffentlichungen

Schmidt, Mario/Schwegler, Regina (2005): Wertschöpfungsbasierte Erfolgsmessung unternehmensbezogener Klimaschutzaktivitäten, hrsg. vom Institut für Angewandte Forschung der Hochschule Pforzheim (Pforzheimer Forschungsberichte: Nr. 4) [pdf-Download]

Diplomparbeiten/ Dissertationen

Die Initialisierungsproblematik bei der Einführung eines Systems kumulativer Emissionsintensitäten

URL

klimazwei - Forschung für den Klimaschutz und Schutz vor Klimawirkungen

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